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Einleitung
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Titelseite
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Nichtlineare Gleichungen 1. Ordnung
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Sachverzeichnis |
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© 2003-2007 Prof. Dr. Hans Wilhelm Alt, University of Bonn, Germany
Quasilineare Gleichungen 1. Ordnung
[sect: Quasi]
Ein quasilineares System erster Ordnung
auf einer offenen Menge Ω⊂ ℝn
hat nach
[stmt: Intro.def]
die Gestalt
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Ai(x,u(x))∂iu(x)=b(x,u(x)) für x∈Ω.
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für Abbildungen u:Ω → ℝN .
Dabei sind Ai∈C0(Ω× ℝN; ℝM×N)
mit (A1,...,An)≠0 und
b∈C0(Ω× ℝN; ℝM) gegeben.
Wir teilen die Probleme in folgende Klassen ein:
- Überbestimmtes System ( M>N ).
Beispiel: ∇u=f , d.h. M=n>1 und N=1 mit
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A1= |
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,
... An= |
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,
b(x,z)= |
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.
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Es ergeben sich Nebenbedingungen an f von der Form
∂ifj=∂jfi , siehe
[Analysis IV:Poincare Lemma]
.
- M=N .
(Also genauso viele Gleichungen wie unbekannte Funktionen.)
- Skalarer Fall ( M=N=1 ).
Methode der Charakteristiken (dieser Abschnitt), die sich auf den
vollen nichtlinearen Fall (siehe Abschnitt
[sect: Nonlinear]
)
verallgemeinern lässt.
- Systemfall ( M=N>1 ).
Eine allgemeine Theorie für Systeme existiert nicht.
Es gibt jedoch einen allgemeinen Existenzsatz für lokale Lösungen.
Dies ist der klassische Satz von Cauchy-Kowalevski
aus dem 19. Jahrhundert,
der voraussetzt, dass alle konstitutiven Funktionen
des Differentialgleichungssystems reell analytisch sind.
Wir werden diesen Satz in Abschnitt
[sect: QuasiSys]
kennen lernen
(siehe
[stmt: QuasiSys.CauchyKowalevski]
).
Dieser Existenzsatz klärt erstens nicht die Frage nach
globalen Lösungen.
Zweitens ist für nichtanalytische Daten des Differentialgleichungssystems,
selbst bei C∞ -Daten, die Situation völlig anders.
Dies zeigt das Beispiel von Lewy aus der Mitte des 20. Jahrhunderts
(siehe
[stmt: QuasiSys.HLewy]
).
- Unterbestimmtes System.
( M<N )
Beispiel: div u=f , d.h. M=1 und N=n>1 mit
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A1= |
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,
... An= |
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,
b(x,z)=f(x)
,
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siehe
[Analysis IV:Divergenzoperator]
.
Wir betrachten daher in diesem Abschnitt den Fall M=N=1 :
Gesucht ist u:Ω → ℝ mit
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ai(x,u(x))∂iu(x)=b(x,u(x)) für x∈Ω.
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Dabei sind ai,b∈C0(Ω× ℝ; ℝ) gegebene Funktionen.
Die Vektorschreibweise für diese Differentialgleichung ist
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a(x,u(x))•∇u(x)=b(x,u(x)) für x∈Ω |
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und die Kurzschreibweise
Zunächst folgende Betrachtung für einen Spezialfall:
Diese speziellen Überlegungen führen uns
im allgemeinen Fall von
[equ: pde]
auf die Methode der Charakteristiken.
Wie wir sehen werden, lassen sich mit dieser Methode lokale Lösungen
der Differentialgleichung konstruieren.
Zunächst jedoch eine Herleitung dieser Methode:
Wir formulieren nun eine Aussage, die zeigt, dass C1 -Lösungen
der Differentialgleichung
[equ: pde]
notwendigerweise die gerade hergeleiteten charakteristischen Gleichungen
(siehe
[equ: char-meth.ode]
)
erfüllen müssen.
Wir geben einige Spezialfälle für die Differentialgleichung
[equ: pde]
an.
Umgekehrt wollen wir nun mit Hilfe der charakteristischen Gleichungen
[equ: ode]
eine C1 -Lösung der Differentialgleichung
[equ: pde]
konstruieren.
Dazu betrachten wir nun eine Schar von
charakteristischen Gleichungen mit Parameter y ,
wobei wir y auf einer Fläche Γ laufen lassen.
Da die charakteristische Kurven 1 -dimensional sind,
wählen wir Γ als (n-1) -dimensionale Fläche.
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Ziel.
Die Gesamtheit der charakteristischen Kurven, die von Punkten auf Γ
ausgehen, sollen eine offene Menge im ℝn bilden.
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Nun ist für Lösungen (ξ,z) der charakteristischen Gleichungen
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| ξ′(0)=a(ξ,z)(0)=a(y,u0(y)). |
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Wir möchten also, dass dieser Tangentialvektor der in y startenden
charakteristischen Kurven
nicht im Tangentialraum von Γ im Punkte y liegt.
Ausformuliert ergibt dies die folgende Definition:
Nichtcharakteristische Flächen [stmt: noncharacteristic-surface]
Betrachte die Differentialgleichung
[equ: *.pde]
in einer offenen Menge Ω⊂ ℝn .
Sei Γ⊂Ω eine n-1 -dimensionale C1 -Fläche
und u0∈C1(Γ; ℝ) .
Dann heißt (Γ,u0)
nichtcharakteristisch,
falls für alle y∈Γ gilt
oder äquivalent
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| span({a(y,u0(y))}∪Ty(Γ)) = ℝn. |
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Weiter heißt Γ
nichtcharakteristische Fläche,
falls (Γ,u0) nichtcharakteristisch
für alle Funktionen u0 : Γ → ℝ ist.
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Wir geben nun einige Beispiele von nichtcharakteristischen Flächen an.
Wir kommen nun zum zentralen Satz dieses Abschnittes,
dem lokalen Existenzsatz für unsere Differentialgleichung
[equ: pde]
Der Beweis basiert auf der Charakteristikenmethode, wobei Werte auf einer
Hyperfläche vorgeschrieben werden.
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Definition.
Das Problem, zu gegebenen Werten u0
auf einer Hyperfläche Γ⊂Ω
eine Lösung u mit u=u0 auf Γ zu finden,
heißt Cauchy-Problem.
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Da wir also die charakteristischen Gleichungen mit Parameter y∈Γ
zu lösen haben, benötigen wir als Grundlage die entsprechende Theorie
der gewöhnlichen Differentialgleichungen.
Daher folgender Satz:
Satz (Lokale Existenz für das Cauchy-Problem) [stmt: Cauchy]
In
[equ: *.pde]
seien ai,b∈C2(Ω× ℝ; ℝ) .
Weiter sei Γ⊂Ω eine C1 -Hyperfläche,
u0∈C1(Γ; ℝ) ,
so dass (Γ, u0) nichtcharakteristisch ist
(siehe
[stmt: noncharacteristic-surface]
).
Dann existiert eine offene Menge Ω0
mit Γ⊂Ω0⊂Ω ,
so dass genau eine Lösung u∈C1(Ω0; ℝ)
des Cauchy-Problems
existiert.
Bemerkung:
Diese Lösung erhält man mit der Charakteristiken-Methode:
Für y∈Γ existiert eine Lösung
(ξy,zy) der charakteristischen Gleichungen
auf einem Intervall Iy mit ]-εy,εy[⊂Iy ,
wobei εy>0 so gewählt werden können, dass
y |→ εy gleichmäßig positiv auf kompakten Teilmengen von y ist.
Es gilt:
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(s,y) |→ ξy(s)
(auf Teilmengen von ℝ×Γ definiert)
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ist in jedem Punkte von {0}×Γ ein lokaler Diffeomorphismus und
die Lösung der partiellen Differentialgleichung
[equ: pde]
ist gegeben durch
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Zum Schluss dieses Abschnittes geben wir noch Anwendungsbeispiele an.
Dabei interessiert uns insbesondere, wie weit sich die lokalen Lösungen
aus dem Existenzsatz
[stmt: Cauchy]
fortsetzen lassen.
Es stellt sich heraus, dass bei dieser Fortsetzung Singularitäten
entstehen können. Diese Singularitäten haben für Erhaltungsgleichungen
eine äußerst wichtige physikalische Bedeutung.
Es können Schocks auftreten,
wie man sie zum Beispiel im Alltag vom Überschallknall kennt.
Wir werden dies am einfachsten Modell der Burgers-Gleichung studieren.
Im Grunde genommen führt dies zu der Einsicht, dass man
für Differentialgleichungen erster Ordnung mathematisch gezwungen ist,
zu einem Begriff der "schwachen Lösung" überzugehen,
wie wir das schon, sozusagen exemplarisch, in der Analysis III
(siehe
[Analysis III:Schwache Lösung]
)
für die Divergenzgleichung kennengelernt haben.
Version 1.4
H.W. Alt - 12.11.2007
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