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Isolierte Singularitäten
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Titelseite
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Wärmeleitungsgleichung
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Sachverzeichnis |
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© 2002-2007 Prof. Dr. Hans Wilhelm Alt, University of Bonn, Germany
Harmonische Funktionen
[chap:5]
Der Differentialoperator für diese Klasse der harmonischen Funktionen
ist der LAPLACE-Operator:
Definition (LAPLACE-Operator) [sect:5-0]
Der Differentialoperator L in diesem Kapitel ist der
negative
LAPLACE-Operator
für zweimal stetig differenzierbare Funktionen u .
Also ist m=2 , n beliebig und M=N=1 in sect:1-1.
Im diesem Kapitel sei L immer dieser Operator.
Es ist
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Definition [sect:5-def]
Sei Ω⊂Rn offen.
Dann heißt u∈L1loc(Ω)
- harmonisch, falls -Δ[u]=0 .
- subharmonisch, falls -Δ[u]≦0 .
- superharmonisch, falls -Δ[u]≧0 .
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Bezeichnung:
Subharmonische Funktionen nennen wir auch
Unterlösung zu L
und superharmonische Funktionen nennen wir auch
Oberlösung zu L .
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Die letzten beiden distributionellen Ungleichungen sind
wie folgt definiert:
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Definition
Für eine Distribution T∈D'(Ω)
ist per Definition T≧0 genau dann,
wenn T(ζ)≧0 für alle Testfunktionen
ζ∈C0∞(Ω) mit ζ≧0 .
Entsprechend ist per Definition T≦0 , wenn -T≧0 .
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Wir geben als Erstes die Fundamentallösung für
den (negativen) LAPLACE-Operator an.
Fundamentallösung [sect:5-1]
definiert eine
Fundamentallösung
F ∈L1loc(Rn) von - Δ .
Dabei ist ϭn der Flächeninhalt der Sphäre
Sn-1 := ∂B1(0)⊂Rn ,
wie schon in
[Analysis III:Flächeninhalt der Einheitssphäre]
,
wobei speziell ϭ1=2 und ϭ2=2π .
Dort wurde auch bewiesen, dass ϭn=nκn .
Dabei ist
κn das Volumen der Einheitskugel
B1(0)⊂Rn
(siehe
[Analysis III:Maß der Einheitskugel]
).
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Mit Satz sect:2-5 folgt:
Folgerung [sect:5-2]
Ist f ∈L1loc(Rn) mit kompaktem Träger, so definiert
eine L1loc(Rn) -Funktion mit
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Zur Erinnerung:
Hierbei bezeichnen [u] und [f] die zu den Funktionen
u und f gehörenden Distributionen aus sect:1-9.
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Ein wichtiges Anwendungsbeispiel ist das
Das Ziel der folgenden Überlegungen ist es zu zeigen, dass
harmonische Funktionen reell analytisch sind.
Zunächst als Motivation der zweidimensionale Fall.
Wir leiten nun mit Hilfe der Fundamentallösung
eine Integraldarstellung für glatte Lösungen u
der Differentialgleichung -Δu=f her.
Die Freiheit beim Kern in der Integraldarstellung
(siehe eq:5-kern) wird dazu benutzt,
verschiedene Randbedingungen zu realisieren.
Dazu definieren wir:
Randoperator [sect:5-4]
Es sei Ω⊂Rn ein GAUSS-Gebiet
(siehe sect:3-gauss, also nicht notwendigerweise beschränkt).
Betrachte einen Operator
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B(u) := b0 u + b1 νΩ •∇u :
∂regΩ → R |
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für u ∈C1(clos(Ω)) , wobei
Hn-1 -messbar sei
und ∂reg Ω den regulären C1 -Rand des
GAUSS-Gebietes Ω bezeichnet.
Dabei gibt es zwei Fälle, die von besonderer Bedeutung sind:
-
DIRICHLET-Randoperator.
b0 = 1 , b1 = 0 , also B(u) = u .
-
NEUMANN-Randoperator.
b0 = 0 , b1 = 1 ,
also B(u) = ∂νΩ u = νΩ •∇u .
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Wir werden nun sehen, dass sich zu jedem Randwertproblem
eine GREEN'schen Funktion und eine
POISSON-Funktion definieren lassen, mit deren Hilfe
sich eine Integraldarstellung ergibt, die als Randwerte
nur noch den Randoperator enthält.
GREEN-Funktion und POISSON-Funktion [sect:5-5]
Betrachte ein Paar (L,B) mit
Differentialoperator L=-Δ in Ω
und Randoperator B auf ∂Ω wie in sect:5-4.
Eine Funktion
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G : Ω×clos(Ω) → R,
(x,y) |→ Gx(y) := G(x,y) ∈R |
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heißt
GREEN'sche Funktion
auf Ω bezüglich (L,B) ,
falls für alle x∈Ω gilt
Dann ist
mit L[Hx]=0 in D'(Ω) ,
wobei vorausgesetzt sei, dass Hx∈C1(clos(Ω)) .
Wir behaupten: Zu einem G wie oben gibt es genau eine Funktion
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P : Ω×∂regΩ → R,
(x,y) |→ Px(y) := P(x,y) ∈R |
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mit
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(Gx , νΩ•∇Gx) = Px·(b1,-b0) .
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Diese Funktion heißt
POISSON-Funktion
zu (L,B) .
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(Inhomogenes) POISSON-Integral [sect:5-6]
Sei Ω ein beschränktes GAUSS-Gebiet,
B ein Randoperator wie in sect:5-4 und es
existiere eine GREEN'sche Funktion G zu (-Δ,B) auf
Ω . Es bezeiche P die zugeörige POISSON-Funktion
aus sect:5-5. Dann
gilt für u∈C1(clos(Ω))∩C2(Ω)
mit Δu∈L1(Ω)
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u(x)
=
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Gx(-Δu) dLn
+
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Px·B(u) dHn-1
für alle x∈Ω.
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Spezialfall:
POISSON-Integral.
Ist u harmonisch in Ω ,
so verschwindet das Gebietsintegral und wir
erhalten die Formel
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In einigen, aber dafür sehr wichtigen Fällen lässt sich eine
GREEN'sche Funktion explizit angeben.
Damit ergibt sich folgende Integraldarstellung für
harmonische Funktionen:
Folgerung
Für u∈C2(clos(BR(x0))) , u harmonisch,
x∈BR(x0) gilt
Dies ist das
POISSON-Integral für die Kugel.
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Aus dieser POISSON-Darstellung leiten wir nun die
Charakterisierung harmonischer Funktionen durch die
Mittelwert-Eigenschaft her.
Satz [sect:5-8]
Sei Ω⊂Rn offen, u∈L1loc(Ω) . Dann
sind äquivalent:
- [sect:5-8-(1)] Harmonizität.
u ist harmonisch.
- [sect:5-8-(2)] POISSON-Darstellung.
Ist BR0(x0)⊂Ω , so gilt
für fast alle x und fast alle R mit |x-x0|<R<R0 :
- [sect:5-8-(3)] Mittelwerteigenschaft auf Sphären.
Für fast alle x∈Ω und fast alle R>0 mit
clos(BR(x))⊂Ω gilt
- [sect:5-8-(4)] Mittelwerteigenschaft auf Kugeln.
Für fast alle x∈Ω und alle R>0 mit
clos(BR(x))⊂Ω gilt
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Verallgemeinerung:
Ist u subharmonisch (bzw. superharmonisch), so gelten die Aussagen
mit " ≦ "(bzw." ≧ ") statt " = ".
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Wir wollen nun die Analytizität harmonischer Funktionen beweisen. Dazu
zunächst ein Exkurs in die Potenzreihen mehrerer Veränderlicher (hier
für den Rn dargestellt, geht aber im Cn genauso).
Definition [sect:5-11]
Sei Ω⊂Rn offen, dann heißt u : Ω → R
reell analytisch, falls sich
u um jeden Punkt von Ω in eine Potenzreihe wie in
sect:5-9 entwickeln lässt.
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Nach diesen Aussagen über Potenzreihen können wir nun leicht die
Analytizität harmonischer Funktionen beweisen.
Satz [sect:5-13]
Sei Ω⊂Rn offen, u ∈L1loc(Ω)
harmonisch. Dann stimmt u fast überall in Ω mit einer reell
analytischen Funktion überein.
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Aus der Mittelwerteigenschaft lässt sich analog zu Kapitel
chap:3 (siehe sect:3-20, sect:3-21)
auch das Maximumprinzip und der
Satz von LIOUVILLE für harmonische Funktionen herleiten.
Satz (Allgemeiner Satz von LIOUVILLE) [sect:5-15]
Sei u ∈C0(Rn) harmonisch, m ≧0 eine ganze Zahl und es
gelte
Dann ist u ein Polynom der Ordnung ≦m .
Speziell gilt im Fall m = 0 der klassische Satz von
LIOUVILLE:
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Spezialfall:
Satz von LIOUVILLE.
Jede beschränkte harmonische Funktion auf dem Rn ist konstant.
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Maximumprinzip [sect:5-16]
Sei Ω⊂Rn offen und zusammenhängend,
u ∈C0(Ω) harmonisch (bzw. subharmonisch). Hat u in einem Punkt
in Ω ein lokales Maximum (bzw. globales Maximum im
subharmonischen Fall), so ist u konstant auf Ω .
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Folgerung
Sei Ω⊂Rn offen und beschränkt.
Ist u ∈C0(clos(Ω)) subharmonisch und u0 ∈R , so gilt:
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u≦u0 auf ∂Ω ==> u≦u0 in Ω.
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Bemerkung:
Diese Folgerung ist hier nur für
DIRICHLET-Randbedingungen formuliert, für andere
Randbedingungen existieren ebenfalls derartige Folgerungen.
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Als Konsequenz erhalten wir einen Identitätssatz.
Identitätssatz [sect:5-17]
Sei Ω⊂Rn offen und zusammenhängend,
u : Ω → R reell analytisch.
Enthält dann die Nullstellenmenge von
u einen inneren Punkt, so ist u=0 auf Ω .
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Hinweis:
Dieser Identitätssatz gilt, wie oben schon erwähnt,
auch im komplexen Fall.
Umgekehrt gilt der Schluss im Identitätssatz sect:3-22
auch für eindimensional reell analytische Funktionen auf
Intervallen.
Daher ist sect:5-17 in gewissem Sinne
eine n -dimensionale Verallgemeinerung
des Satzes sect:3-22. Beachte jedoch, dass die
Voraussetzungen der Aussage in sect:5-17
im Falle n=1 stärker sind als die von sect:3-22.
Dies muss so sein.
Betrachte als Beispiel die reell analytische Funktion
u : R2 → R , u(x):=x1-x2 . Die Nullstellenmenge von u
hat keinen inneren Punkt, aber Häufungspunkte.
Dasselbe gilt für die komplex analytische Funktion
u : C2 → C , u(z):=z1-z2 .
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Folgerung (Prinzip der eindeutigen Fortsetzbarkeit)
Sei u : Ω → R reell analytisch, Ω⊂Rn offen.
Weiter sei ũ : Ω̃ → R reell analytisch,
Ω̃⊂Rn , so dass Ω̃ und
Ω∩Ω̃ zusammenhängend. Ist dann u = ũ in
einer Umgebung eines Punktes in Ω̃∩Ω , so ist
durch ũ eine eindeutige Fortsetzung von u auf
Ω∪Ω̃ gegeben.
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Schließlich wollen wir einige Anwendungen des Maximumprinzips
untersuchen.
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This is the original german version of the script
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Version 1.5
H.W. Alt - 02.01.2007
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