Wave equation Wave equation
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© 2002-2007 Prof. Dr. Hans Wilhelm Alt, University of Bonn, Germany

Appendix 1
[chap:app1]


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Als Anhänge stellen wir Aussagen zur Wellengleichung zusammen, für die in der Vorlesung nicht mehr genügend Zeit war. Hier die Beweise von sect:7-3 und sect:7-5. In einem zweiten Anhang (siehe Kapitel chap:app2) werden dann die Fundamentallösungen der Wellengleichung für Raumdimensionen  n=2  und  n=3  behandelt.

Beweis zum CAUCHY-Problem    [sect:app1-3]

In sect:7-3 wird zu  u0, u1 ∈C0(R)  die Funktion
u(t,x) :=
1
2
( u0(x+ct) + u0 (x-ct) ) +
1
2c
x+ct
x-ct
u1(y) dy
für  (t,x) ∈]0,∞[ ×R)  definiert. Es soll gezeigt werden, dass dadurch ein  u ∈C0([0,∞[ ×R)  gegeben ist, welches "schwache Lösung" des folgenden CAUCHY-Problems ist:
1
 
c2
t2 u(t,x) - ∂x2 u(t,x)
= 0
    für t>0, x∈R,
u(0,x)
= u0(x)
    für x∈R,
t u(0,x)
= u1(x)
    für x∈R.

Proof sect:7-3. Betrachte zunächst irgendeine Funktion  fε∈L1([-ε,0]×R)  und definiere dazu wie in sect:7-2 (mit  fε(s,y):=0  für  s∉[-ε,0] )
uε(t,x)
:=
c
2
t
-∞
x+c(t-s)
x-c(t-s)
fε(s,y) dy ds
=
c
2
0

x+c(t-s)
x-c(t-s)
fε(s,y) dy ds .
Da  fε(s,y)=0  für  s>0 , löst  uε  nach sect:7-2
1
 
c2
t2 [uε] - ∂x2[uε] = 0     in D'(]0,∞[×R) .
Wir werden nun spezielle Funktionen  fε  wählen, so dass  uε  lokal in  ]0,∞[ ×R  gleichmäßig in  ε  beschränkt sind und punktweise gegen eine Funktion  u  konvergieren. Da dann also  uε → u  in  L1loc(]0,∞[×R) , folgt dass
[eq:73-1]
1
 
c2
t2 [u] - ∂x2[u] = 0     in D'(]0,∞[×R) .
Zur Wahl von  fε  gehe von einer Standard-DIRAC-Folge  (ϕε)ε> 0  in der Zeit aus, also  ϕε(t) = 1/εϕ(t/ε) , wobei  ϕ∈C0(]-ε,0[)  sei (mit  ϕ≧0  und  ∫ RϕdL1=1 ). Setze
fε(s,y) =
1
 
c2
( ϕε(s) u0(y) + ϕε(s) u1(y) ) .
Dann ist  uε=u0ε+u1ε , wobei  u0ε  der Anteil von  u0  und  u1ε  der Anteil von  u1  ist. Für  (t,x)∈]0∞[×R  ist
u1ε(t,x) =
1
2c
0

ϕε(s)
x+c(t-s)
x-c(t-s)
u1(y) dy ds .
Man sieht leicht, dass  u1ε(t,x)  lokal gleimäßig beschränkt sind. Da für jedes  (t,x) 
x+c(t-s)
x-c(t-s)
u1(y) dy → 
x+ct
x-ct
u1(y) dy
für  s → 0  und da die Funktionen  ϕε  Gesamtmasse  1  haben, folgt daraus, dass
u1ε(t,x) → u1(t,x) :=
1
2c
x+ct
x-ct
u1(y) dy .
Nun zu  u0ε(t,x) . Es ist
u0ε(t,x) =
1
2c
0

ϕε(s)
x+c(t-s)
x-c(t-s)
u0(y) dy ds .
Durch partielle Integration im äußeren Integral erhält man
u0ε(t,x) =
1
2
0

ϕε(s) (u0(x+c(t-s)) + u0(x-c(t-s))) ds .
Dann folgt analog zur Konvergenz von  u1ε  gegen  u1 , dass
u0ε(t,x) → u0(t,x) :=
1
2
(u0(x+ct) + u0(x-ct)) .
Damit folgt, dass punktweise  uε=u0ε+u1ε → u:=u0+u1 , und dass  u  schwache Lösung der homogenen Wellengleichung in  ]0,∞[×R  ist.

Es ist leicht zu sehen, dass  u ∈C0(]0,∞[ ×R) . Es bleiben also die Aussagen bezüglich der Anfangswerte zu zeigen. Betrachte  (t,x)∈]0,∞[×R  mit  (t,x) → (0,y0) . Dann gilt

u0(t,x) - u0(y0) =
1
2
(u0(x+c(t-s)) - u0(y0)) +
1
2
(u0(x-c(t-s)) - u0(y0)) → 0
für  (t,x) → (0,y0)  wegen der Stetigkeit von  u0 . Weiter ist für  (t,x)  nahe  (0,y0
| u1(t,x) | = |
1
2c
x+ct
x-ct
u1(y) dy | ≦t ·
 
 
sup
|y-y0|≦1
|u1(y)| → 0
für  (t,x) → (0,y0) . Damit ist gezeigt, dass  u  auf  [0,∞[×R  stetig fortseztbar ist mit  u(0,y)=u0(y)  für  y∈R .

Es bleibt die Anfangsbedingung  ∂t u(0,x) = u1(x)  im Sinne der Behauptung zu beweisen. Mit

v(t,x) :=
1
t
(u(t,x) -u0(x)) - u1(x)
ist also zu zeigen, dass für  ζ∈C0(R
[v(t,·)](ζ) → 0     für t↘0 .
Zerlege  v=v0+v1  mit
v0(t,x) :=
1
t
(u0(t,x) - u0(x)) ,     v1(t,x) :=
1
t
u1(t,x) - u1(x) .
Nun ist
[v0(t,·)](ζ)
=
1
t
 
R
ζ(x) (
1
2
(u0(x+ct) + u0(x-ct)) - u0(x) ) dx
=
 
R


1
t
(
ζ(x-ct) + ζ(x+ct)
2
- ζ(x) )

=O(t) für t → 0
u0(x) dx .
Weiter ist
[v1(t,·)](ζ)
=
 
R
ζ(x) (
1
2ct
x+ct
x-ct
u1(y)dy - u1(x) ) dx
=
 
R
 

(
1
2ct
y+ct
y-ct
ζ(x)dx - ζ(y) )

=O(t2) für t → 0
u1(y) dy .
Damit ist gezeigt, dass
[v(t,·)](ζ) = O(t)     für t↘0 .

Proof sect:7-3 Zusatz. Es ist
t u(t,x) =
c
2
(t u0(x+ct) - ∂t u0 (x-ct) ) +
1
2
( u1(x+ct) + u1(x-ct) ) ,
was für  (t,x) → (0,y0)  gegen  u1(y0)  konvergiert.

Beweis zum Anfangsrandwertproblem    [sect:app1-5]

In sect:7-5 werden auf dem Rand des Zeitraumgebiets  [0,∞[ ×[xl,xr] ⊂R×R  Anfangsdaten  u0, u1 ∈C0([xl,xr])  vorgegeben, sowie Randdaten  ul, ur∈C0([0,∞[)  mit den Kompatibilitätsbedingungen
ul(0) = u0(xl)     und    ur(0)=u0(xr) .
Es wird behauptet, dass es dazu genaue eine Lösung  u ∈C0([0,∞[ ×[xl,xr])  des folgenden Anfangsrandwertproblems gibt:
  • In  ]0,∞[ ×]xl,xr[  ist  u  schwache Lösung der Wellengleichung.
  • Auf  [0,∞[ ×{xl,xr}  hat  u  die Randwerte  u(t,xl)=ul(t)  und  u(t,xr)=ur(t) .
  • Auf  {0} ×]xl,xr[  werden die Anfangsdaten  u0  und  u1  im Sinne von sect:7-3 angenommen.

-*- FIGURE NOT AVAILABLE -*-
Initial boundary value problem  [fig:7-5]

Proof sect:7-5 Existenz. Der Einfachheit halber sei  xl=-1  und  xr=+1  (die allgemeine Situation kann man durch Variablentransformation auf diese zurückführen). Zuerst betrachte die Menge (siehe Gebiet  (I)  in fig:7-5)
D1 := {(t,x)∈]0,∞[×]-1,1[ ; |x|< c(t1-t)} ,     t1 :=
1
c
.
Dort definiere  u  nach der Formel in Satz sect:7-3 (siehe das zugehörige Dreieck im Gebiet  (I)  in fig:7-5). Nach sect:7-3 ergibt dies eine stetige Funktion  u  auf  clos(D1) .

Die weitere Konstruktion von  u  benutzt die  4 -Punkte-Regel aus sect:7-4. Im Gebiet (siehe Gebiet  (III)  in fig:7-5)

D3 := {(t,x)∈]0,∞[×]-1,1[ ; c|t-t1|<x}
werden dabei die Randwerte  ur  sowie die schon definierten Werte von  u  auf  ∂D1  benutzt (siehe das zugehörige Parallelogramm im Gebiet  (III)  in fig:7-5). Dies ergibt eine stetige Funktion  u  auf  clos(D3) , wobei die Stetigkeit in den Punkten  (0,1)  und  (t1,0)  aus der Kompatbilitätsbedingung  ur(0)=u0(1)  folgt. Analog ergibt sich  u  auf einem Gebiet  D2  (siehe Gebiet  (II)  in fig:7-5).

Als nächstes ist das Gebiet (siehe Gebiet  (IV)  in fig:7-5)

D4 := {(t,x)∈]0,∞[×]-1,1[ ;  |x|<c(t-t1), |x|<c(t2-t)}
zu betrachten. Nach der  4 -Punkte-Regel in sect:7-4 ergibt dies eine stetige Funktion  u  auf  clos(D4)  (siehe das zugehörige Parallelogramm im Gebiet  (IV)  in fig:7-5). Die weitere Konstruktion von  u  erfolgt dann nach demselben Schema (wie bei  D2 .  D3 ,  D4 ).

Durch iterierte Anwendung der  4 -Punkte-Regel (d. h. wenn ein Parallelogramm in  4  Teilparallelogramme zerlegt ist und die  4 -Punkte-Regel für die Teilparallelogramme gilt, so gilt diese auch für das gesamte Parallelogramm) sieht man dann, dass  u  insgesamt auf  ]0,∞[×]-1,1[  die  4 -Punkte-Regel erfüllt. Damit folgt nach sect:7-4, dass die so konstruierte Funktion  u  eine schwache Lösung der Wellengleichung ist.

Proof sect:7-5 Eindeutigkeit. Die Eindeutigkeit der Lösung kann mit Hilfe der  4 -Punkte-Regel in sect:7-4 bewiesen werden:

Sei  u ∈C0([0,∞[ ×[xl,xr])  die Differenz zweier Lösungen aus sect:7-5. Also ist  u  eine schwache Lösung des Anfangsrandwertproblems mit homogenen Daten, d. h.  u  ist schwache Lösung der Wellengleichung in  ]0,∞[ ×]xl,xr[  mit

  • Randbedingung  u(t,xl)=0  und  u(t,xr)=0  für  t>0 .
  • Anfangsbedingung  u(0,x)=0  für  xl<x<xr .
  • Für Testfunktionen  ζ∈C0(]xl,xr[)  konvergiert für  t↘0 
    xr
     
    xl
     
    ζ(y)
    1
    t
    u(t,y) dy → 0 .
Nach sect:7-4 erfüllt  u  die  4 -Punkte-Formel. Weiter bezeichne  D1 ,  D2 , etc. die Gebiete aus dem obigen Beweis.

Wir nehmen zunächst an, dass schon gezeigt ist, dass  u=0  auf  D1 . Mit Hilfe der  4 -Punkte-Formel folgt dann wie in obigem Existenzbeweis wegen der verschwindenden Randwerte, dass  u=0  auf  D2 ,  D3 , und so weiter. Es bleibt also zu zeigen, dass  u=0  auf  D1 .

Sei  (t,x)∈D1  und  y  nahe  x . Dann gilt nach der  4 -Punkte-Formel

u(t,y) = u(
t
2
,y-
ct
2
) + u(
t
2
,y+
ct
2
) -


u(0,y)

=0
.
Weiter gilt wieder nach der  4 -Punkte-Formel
u(
t
2
, y-
ct
2
) = u(
t
4
, y-
3ct
2
) + u(
t
4
, y-
ct
4
) -


u(0,y-
ct
2
)

=0
und entsprechend für  u(t/2 , y+ct/2) . Definiert man  tm:=2-mt  und  δm:=2-mct=ctm  für  m∈N∪{0} , so erhält man induktiv für  m∈N 
u(t,y) =
 
 
k∈N : -2m-1≦k<2m
u(tm , y+(2k+1)δm) .
Nun werde für  z  nahe  x  für großes  m  über  y∈[z-δm,z+δm]  integriert. Mit
ϕm(y) :=
1
 
m
Χ[-δmm]     für m∈N∪{0}
ergibt dies
m ∗ u(t,·))(z)
=
1
 
m
z+δm
 
z-δm
 
u(t,y) dy
=
1
 
m
 
 
k∈N : -2m-1≦k<2m
z+δm
 
z-δm
 
u(tm , y+(2k+1)δm) dy
=
1
 
m
z+ct
z-ct
u(tm , y) dy
=
1
 
δm
0 ∗ u(tm,·))(z) .
Diese Identität werde mit einer Funktion  ζ∈C0(R)  getestet, die Träger nahe  x  habe. Damit erhält man
 
R
(ζ∗ ϕm)(y) u(t,y) dy =
 
R
ζ(z) (ϕm ∗ u(t,·))(z) dz
=
1
 
δm
 
R
ζ(z) (ϕ0 ∗ u(tm,·))(z) dz
=
1
c
 
R
(ζ∗ ϕ0)(y)
u(tm,y)
 
tm
 
dy ,
was nach den Eigenschaften über die Anfangswerte für  m → ∞  gegen  0  konvergiert. Auf der linken Seite konvergiert  ζ∗ ϕm → ζ  gleichmäßig für  m → ∞ . Also folgt, dass
 
R
ζ(y) u(t,y) dy = 0 .
Dies gilt für alle  ζ  mit Träger nahe  x , also folgt insbesondere, dass  u(t,x)=0 .


Version 1.5
H.W. Alt - 02.01.2007

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