Beweis Beweis
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© 2002-2007 Prof. Dr. Hans Wilhelm Alt, University of Bonn, Germany

Anwendungen des Maximumprinzips

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Bemerkung

Wir haben gezeigt, dass für  Ω⊂R  offen und beschränkt,  u∈C0(clos(Ω))  subharmonisch und  u0R  aus  u≦u0  auf  ∂Ω  folgt:
u≦u0     in Ω.

Wir können daraus Folgendes sofort einsehen: Sei  Ω  wie gerade,  u1, u2∈C0(clos(Ω))  mit  u1  subharmonisch und  u2  superharmonisch. Gilt dann  u1≦u2  auf  ∂Ω , so ist  u1≦u2  auf ganz  Ω . Zum Beweis reicht es, das Maximumprinzip auf die subharmonische Funktion  u1-u2  anzuwenden.

Eine weitere Folgerung ist:

Eindeutigkeit des DIRICHLET-Problems

Sei  u0 : ∂Ω → R  stetig. dann gibt es höchstens ein  u∈C0(clos(Ω))  mit:
u harmonisch in Ω und u=u0 auf ∂Ω.
Proof. Annahme: Seien  u1, u2  zwei solche Funktionen. Wende nun die Überlegungen von oben auf  u1  und  u2  sowie auf  -u1  und  -u2  an und erhalte:
u1
u2     auf Ω
-u1
-u2     auf Ω,
also ist  u1=u2  auf  Ω .

Wir geben nun exemplarisch einige

Anwendungen des Maximumprinzips    [sect:5-18]

  • [sect:5-18-(1)] Eindeutigkeit der GREEN-Funktion:  Sei  Ω⊂Rn  offen und beschränkt. Dann existiert höchstens eine GREEN'sche Funktion auf  Ω  bezüglich  -Δ  und des DIRICHLET-Randoperators mit der Eigenschaft
    Gx0 ∈L1(Ω) ∩C0(clos(Ω)∖{x0 })      für x0 ∈Ω.
    Es ist
    Gx(y)>0      für x,y ∈Ω mit x ≠y .
  • [sect:5-18-(2)] Maximumprinzip für allgemeinere Gleichungen:  Sei  u∈C2(Ω)∩C0(clos(Ω)) ,  Ω⊂Rn  offen und beschränkt, Lösung von
    -Δu +
    n
    i=1
    bii u+cu=0 ,
    mit  bi, c∈C0(clos(Ω))  und  c>0  in  Ω . Wir behaupten:
    u≦0 auf ∂Ω
    =>
    u≦0 in Ω,
    u=0 auf ∂Ω
    =>
    u=0 in Ω.
  • [sect:5-18-(3)] Laminare ideale Strömung in unendlichem Streifen:  Sei  n=2 ,  Ω={x∈R2;x1>0,|x2|<1} ,  u0R  und  u∈C2(Ω)∩C0(clos(Ω))  mit:
    Δu = 0     in Ω.
    Es strebe  u(x)  gegen  u0  für  x∈∂Ω ,  x1 → ∞ . Weiter sei  u  beschränkt. Dann folgt:
    u(x) → u0     für x∈Ω, x1 → ∞.
    Anmerkung: Entsprechende Aussagen kann man auch auf unendlichen Zylindern im  R3  beweisen.

Proof sect:5-18-(1). Sei  x0∈Ω  und  Gx0∈L1(Ω)∩C0(clos(Ω)∖{x0})  eine GREEN-Funktion, d.h.
-Δ[Gx0]
=
δx0     in D'(Ω)
Gx0
=
0     auf ∂Ω.
Sei  G̃x0  ebenso, also ist
-Δ[Gx0-G̃x0]
=
0     in D'(Ω)
Gx0-G̃x0
=
0     auf ∂Ω.
Folglich ist  Gx0-G̃x0  harmonisch. Mit dem Maximumprinzip folgt  Gx0-G̃x0=0  auf ganz  Ω .

Zum Beweis von

Gx0(y)>0     für y∈Ω∖{x0}
betrachten wir die Funktion
-Hx0:=Gx0-Fx0 ,
wobei  Fx0(y)=F(y-x0)  und  F  die Fundamentallösung von  -Δ  ist. Da somit also
-Δ[Fx0]=δx0 ,
folgt
-Δ[Hx0]=0 ,
d.h.  Hx0  ist harmonisch, also in  Ω  eine reell analytische Funktion, und somit  Hx0∈C0(clos(Ω)) .

Nun ist  Hx0=Fx0  auf  ∂Ω  und  Hx0  harmonisch und  Fx0  superharmonisch (wegen  δx0≧0 ). Es folgt aus obiger Bemerkung, dass

Hx0≦Fx0 .
Damit haben wir folgende Aussagen:
  •  Gx0≧0  in  clos(Ω) .
  •  Gx0= 0  auf  ∂Ω .
  •  Gx0  superharmonisch (wegen  δx0≧0 ).
  •  Gx0  nicht konstant (wegen  -Δ[Gx0]≠0 ).
Mit dem Maximumprinzip schließen wir:  Gx0  kann in keiner Zusammenhangskomponente das globale Minimum  0  haben und annehmen, d.h.  Gx0 > 0  in  Ω .

Proof sect:5-18-(2). Die zweite Behauptung folgt direkt aus der ersten bei Anwendung auf  u  und  -u .

Sei  u≦0  auf  ∂Ω . Wir nehmen an, es sei

s:=
 
sup
x∈clos(Ω)
u(x)>0 .
Da  u  stetig auf  clos(Ω)  und  u≦0  auf  ∂Ω , gibt es ein  x0∈Ω  mit  u(x0)=s . Dann folgt aus der Differentialgleichung im Punkt  x0 :
0=-Δu(x0)+
n
i=1
bi(x0)∂iu(x0)+c(x0)u(x0).
Da  x0  ein Maximum ist, folgt  ∂i u(x0)=0 . Da  c(x0)>0  und  u(x0)=s>0  folgt dann  Δu(x0)< 0 . Da  u∈C2(Ω) , existiert eine abgeschlossene Kugel  clos(Bε(x0))⊂Ω  mit
-Δu<0     in Bε(x0),    u subharmonisch inBε(x0) ,
und  u  nimmt in  x0  sein Supremum an. Mit dem Maximumprinzip folgt
u=u(x0)     konstant in Bε(x0) ,
im Widerspruch zu  -Δu(x0)<0 .

Proof sect:5-18-(3). Wir beweisen auch diese Behauptung mit dem Maximumpinzip sect:5-16, müssen dabei aber beachten, dass dieses nur für beschränkte Gebiete gilt. Also betrachten wir für  b>0  die beschränkten Gebiete
Ωb:={x∈Ω;0<x1<b} .
Für  λ∈R  definieren wir harmonische Hilfsfunktionen
wλ(x1,x2) := eλx1 cos(λx2) = Re (eλ(x1+i x2))
Hinweis: An der Funktion  ũ:=u0+wπ/2  sieht man, dass für die zu beweisende Aussage eine Wachtumsbedingung (in der Behauptung die Beschränktheitsbedingung) nötig ist. Denn es ist zwar  ũ(x)=u0  für  x∈∂Ω  mit  x1>0 , aber  ũ(x)  strebt nicht gegen  u0  für  x∈Ω  mit  x1 → ∞ .
Sei nun  M>0  mit
u≦u0+M     in clos(Ω) .
Weiter können wir nach Voraussaetzung zu  ε>0  ein  aε>0  so wählen, dass
u(x)≦u0+ε     für x∈∂Ω mit x1≧aε.
Wir definieren eine Vergleichsfunktion durch
v:=u0+ε+


cεw

>0 in Ω
     mit 0<λ<
π
2
, cε>0 .
Wähle  cε  so groß, dass für  x∈Ω  mit  x1≦aε 
cεw(x) ≧cεe-λaε cos(λ)≧M .
Dann folgt
[eq:518-*]
u≦v      auf ∂Ω.
Sei  δ>0 . Wir behaupten: Für großes  b>aε  gilt
[eq:518-**]
u≦v +δwλ     auf ∂Ωb .
Nach eq:518-* gilt diese Ungleichung auf  ∂Ω , und falls  b  groß genug gewählt wird (abhängig von  M ,  λ ,  δ ), gilt
u0+M ≦u0+δeλb cos(λ) ,
und damit für  x∈∂Ωb  mit  x1=b 
u(x)≦u0+M ≦u0eλb cos(λ) ≦u0+δwλ(x) ≦v(x)+δwλ(x) .
Damit ist eq:518-** bewiesen. Da  v+δwλ  eine harmonische Funktion ist, folgt nach dem Maximumprinzip sect:5-16, dass
u≦v+δwλ     auf Ωb
für alle  b , die groß genug sind. Also ist
u≦v+δwλ     auf Ω.
Wir lassen nun  δ  gegen Null gehen und erhalten
u≦v     auf Ω.
Nach Definition von  v  folgt daraus
 
 
lim sup
x1 → ∞
u(x)≦u0+ε.
Dies gilt für alle  ε>0 . Lassen wir nun  ε  gegen Null gehen, so folgt
 
 
lim sup
x1 → ∞
u(x)≦u0 .
Führt man die gleiche Überlegung für  -u  durch, folgt die Behauptung.

Zum Schluss dieses Kapitels noch eine

Anwendung des LIOUVILLE'schen Satzes    [sect:5-19]

Wir betrachten das Gravitationspotential, was schon in Analysis III (siehe [Analysis III:NEWTON-Potential] und [Analysis III:Eigenschaften des NEWTON-Potentials] ) betrachtet wurde: Es sei  n=3  und
Φ(x):=-
 
 
R3
ϱ(y)
|x-y|
dy ,
wobei  ϱ  eine messbare und beschränkte Funktion mit kompaktem Träger sei. Nach sect:5-2 gilt:
Δ[Φ]=4π[ϱ]      in D'(R3) .
Betrachte den speziellen Fall  ϱ=ϱ0 ΧBR(0)   mir einer Konstanten  ϱ0R . Wir behaupten, dass dann gilt:
Φ(x):=-4πϱ0·
R2
2
 
-
|x|2
6
 
    für |x|<R ,
R3
3|x|
 
    für |x|>R .
Erinnerung: Dieses Resultat war in [Analysis III:Eigenschaften des NEWTON-Potentials] ) schon angekündigt worden.

Proof. Sei
u(x):=
R2
2
 
-
|x|2
6
 
    für |x|≦R ,
R3
3|x|
 
    für |x|≧R .
Dann ist
Δu(x)=
-1
    für |x|<R ,
0
    für |x|>R .
Außerdem sieht man leicht, dass  u∈C1(R3) . Mit der nachfolgenden Proposition sect:5-20 folgt daher, dass
Δ[u] = -[ ΧBR(0) ]      in D'(R3).
Definieren wir dann
Φ̃:=-4πϱ0 u
so ist  Δ[Φ̃]=4π[ϱ]  in  D'(R3)  und damit
Δ[Φ-Φ̃]=0 .
Also ist  Φ-Φ̃  eine harmonische Funktion auf  R3  und nach dem Satz von LIOUVILLE folgt wegen des asymptotischen Verhaltens im Unendlichen, dass  Φ=Φ̃ .

Im letzten Beweis hatten wir einen Spezialfall der folgenden Aussage benutzt.

Proposition    [sect:5-20]

Sei  Ω= Ω1∪Γ∪Ω2  mit zwei disjunkten offenen Mengen  Ω1  und  Ω2 , wobei  Γ  eine  C1 -Trennfläche zwischen  Ω1  und  Ω2  sei. Weiter seien  ul∈C1(closl)) ,  fl∈C0(clos(Ω)l)  für  l=1,2 , sowie
u:=
u1
in Ω1 ,
u2
in Ω2 ,
        f:=
f1
in Ω1 ,
f2
in Ω2 .
Dann sind äquivalent:
  • [sect:5-20-(1)]  -Δ[u]=[f]  in  D'(Ω) .
  • [sect:5-20-(2)]  -Δul=fl  in  Ωl  für  l=1,2  und  u∈C1(Ω) .

Proof sect:5-20-(1)  ==>  sect:5-20-(2). Sei  ζ∈C0(Ω) . Dann ist
0
=
 
Ω
(Δζu - ζf) dLn
=
 
l
 
 
Ωl
(Δζul-ζfl) dLn
=
 
l
 
 
∂Ωl
(ul ∇ζ•νl-ζ∇ul•νl) dHn-1 +
 
l
 
 
Ωl
ζ(Δul-fl) dLn ,
letzteres durch zweimalige partielle Integration:
Δζul= div (ul∇ζ) - div (ζ∇ul)+ζΔul .
Betrachte zunächst beliebige  ζ∈C0l) . Nach dem Fundamentallemma der Variationsrechnung folgt  Δul -fl = 0  in  Ωl , also bleibt nur das Randintegral übrig, d.h.
[eq:519]
0=
 
Γ
∇ζ•(
 
l
ul νl) dHn-1 -
 
Γ
ζ(
 
l
∇ul νl) dHn-1 .
Nun kann  Γ  lokal in einer Umgebung  U  als Nullstellenmenge einer Funktion  ψ∈C1(U;R)  dargestellt werden:
Γ∩U = {x∈U;  ψ(x)=0},     ∇ψ≠0 auf Γ∩U .
Für  η∈C0(U)  setze  ζ=ηψ , also gilt auf  Γ 
ζ= 0 ,     ∇ζ= ψ∇η+η∇ψ= η∇ψ.
Es folgt (durch eine Approximationsargumentation folgt, dass eq:519 auch für alle  ζ∈C01(Ω)  gilt)
0=
 
Γ
η∇ψ•
 
l
ulνl dHn-1      für alle η∈C0(U) ,
also nach dem Fundamentallemma der Variationsrechnung
0=∇ψ•
 
l
ulνl      auf Γ∩U .
Da  ∇ψ(x)≠0  Normalenvektor an  x∈Γ  ist und es nur eine Normalengerade gibt, muss  ∇ψ(x)  ein Vielfaches von  ν1(x)  bzw.  ν2(x)  sein. Es folgt
0 = ν1(
 
l
ulνl)=u1-u2 .
Damit ist gezeigt, dass  u∈C0(Ω) , und eq:519 reduziert sich zu
0=
 
Γ
ζ
 
l
∇ul•νl dHn-1      für alle ζ∈ C0(Ω) ,
also nach dem Fundamentallemma der Variationsrechnung
0=
 
l
∇ul•νl = ν1•(∇u1-∇u2)      auf Γ.
Da aus der Stetigkeit von  u  folgt, dass  u1 = u2  auf  Γ , ist auch  ∂τu1=∂τu2  auf  Γ  für alle Tangentialfelder  τ . Also folgt
∇u1 = ∇u2      auf Γ,
und damit  u∈C1(Ω) .
Proof sect:5-20-(2)  ==>  sect:5-20-(1). Mit derselben Rechnung wie am Anfang obigen Beweises ist die Umkehrung sofort klar.


Version 1.5
H.W. Alt - 02.01.2007

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