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© 2002-2007 Prof. Dr. Hans Wilhelm Alt, University of Bonn, Germany

Strong derivative

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Es ist leicht nachzuvollziehen, dass für  u ∈Ck(Ω; RN)  und  |α| ≦k , gilt:
α [uj] = [∂α uj],
denn mit partieller Integration gilt:
(-1)|α|
 
Ω
α ζ·uj dLn =
 
Ω
ζ·∂α uj dLn.
Es ist also zu klären, ob auch die Umkehrung dieser Aussage gilt. Darunter wollen wir für  N=1  folgende Frage verstehen: Seien  u, fα ∈C0(Ω)  für  |α| ≦k  und es gelte:
α [u] = [fα] .
Folgt daraus auch  u ∈Ck(Ω)  mit  fα = ∂α u ?

Um diese Frage beantworten zu können, brauchen wir zunächst den folgenden Satz:

Satz    [sect:1-14]

Sei  Ω⊂RN  offen und beschränkt. Dann ist  Ck(clos(Ω);RN)  mit   || · || Ck  ein Banachraum.
Hinweis: Für  k=1  erhält man damit einen Satz aus Analysis II: Sei  Ω⊂Rn  offen und seien  uk ,  k ∈N , stetig differenzierbar auf  Ω  mit  uk → u  und  ∂i uk → vi  gleichmäßig in  Ω . Dann ist  u  stetig differenzierbar und  vi = ∂i u .

An dieser Stelle sollte bemerkt werden, dass auf Grund der Normäquivalenzen im  Rl  (siehe Analysis II) die wie folgt angegebenen Normen auf  Ck(clos(Ω);RN)  äquivalent sind:

|| u || Ck(clos(Ω))
:=
 
|α|≦k
 
sup
x ∈Ω
|∂α u (x)| ,
|| u || Ck(clos(Ω))
:=
 
max
|α|≦k
 
sup
x ∈Ω
|∂α u (x)| .
Daher wird im Folgenden nicht spezifiziert, welche Norm mit   || · || Ck(clos(Ω))  gemeint ist. Dem Leser bleibt überlassen, welche der beiden obigen Normen er bevorzugt.

Proof.  Ck(clos(Ω);Rn)  ist mit der oben angegebenen Norm ein normierter Vektorraum. Es bleibt also die Vollständigkeit zu beweisen. Dafür sei  (ul)l ∈N  eine CAUCHY-Folge in  Ck(clos(Ω);Rn) . Dann gilt für  |α| ≦k :  (∂α ul)l ∈N  ist eine CAUCHY-Folge in  C0 (clos(Ω);Rn) .

Aus Analysis II, Satz 2.12 wissen wir: Es existiert ein  vα∈C0(clos(Ω);Rn)  so dass gilt:

 
lim
l → ∞
||α ul - vα || C0(clos(Ω)) = 0.
Setzt man nun  u := v0 , so ist zu zeigen:  u ∈Ck(clos(Ω);Rn)  mit  ∂α u = vα .

Sei jetzt  x ∈Ω  und  y  nahe  x  (innerhalb eines  ε  -Balls, der in  clos(Ω)  enthalten ist). Dann gilt:

ul(y) - ul(x)
=
1
0
d
ds
ul ( x+s(y-x) ) ds
=
n
i=1
1
0
i ul(x+s(y-x)) ·(y-x)i ds .
Da  ul → u  und  ∂i ul → vei  gleichmäßig in  clos(Ω) , folgt:
u(y) - u(x) =
n
i=1
1
0
vei ( x+s(y-x) ) ·(y-x)i ds
=
n
i=1
vei (x) ·(y-x)i +
n
i=1
1
0
( vei(x+s(y-x)) - vei (x) ) ·(y-x)i ds .
Damit gilt:
1
|y-x|
· | u(y)-u(x) -
n
i=1
vei(x)(y-x)i |
n
i=1
1
0
| vei ( x+s(y-x) ) - vei(x) | ds
n
i=1


 
sup
s ∈[0,1]
| vei(x+s(y-x)) - vei(x) |

→ 0 für y → x
.
Dieser Ausdruck konvergiert gegen  0  für  y → x , da  vei  stetig.

Das heißt wiederum, dass  du(x)  existiert und

du(x) (z) =
n
i=1
vei(x) zi.
Also ist  u  stetig differenzierbar mit  ∂i u(x) = vei(x)  und der Satz ist bewiesen für  k=1 .

Für allgemeines  k  führe obige Arguementation für  ∂α u  mit  |α|<k  statt  u  durch und erhalte, dass  vα  stetig differenzierbar mit  ∂i vα = vα+ei  .

Nun können wir die vor Satz sect:1-14 gestellte Frage beantworten.

Satz    [sect:1-15]

Sei  u,fα ∈C0(Ω;RN)  mit  ∂α[uj] = [fαj]  für  |α|≦k  und  j = 1 , ..., N . Dann ist  u ∈Ck(Ω;RN)  mit  ∂αu = fα  in  Ω  für  |α|≦k .

Proof. Sei  Ω'  offen und so, dass  clos(Ω') ⊂Ω  kompakt.  (ϕε)ε>0  sei die Standard-DIRAC-Folge sowie  uε := ϕε ∗ u  und  fαε := ϕε ∗ fα .

Behauptung: Ist  ε  klein genug, so gilt:  ∂α uε = fαε  in  Ω'  (siehe auch Satz sect:2-10).
Zum Beweis sei  ζ∈C0(Ω')  und  N=1  sowie  ϕ̃ε(z) := ϕε(-z) .  u  werde außerhalb von  Ω  durch  0  fortgesetzt. Damit gilt nach Analysis III (siehe [Analysis III:Proposition] ):
 
Ω'
ζ·∂α uε dLn
=
(-1)|α|
 
Ω'
α ζ·ϕε ∗ u dLn     (partielle Integration)
=
(-1)|α|
 
 
Rn
 

ϕ̃ε ∗  (α ζ )

= ∂α(ϕ̃ε ∗ ζ)
·u dLn
=
(-1)|α|
 
 
Rn
α(ϕ̃ε ∗ ζ) ·u dLn .
Hier sind nun  ϕ̃ε ∗ ζ∈C0 (Ω)  für  ε  klein genug, also "erlaubte" Testfunktionen, daher:
(-1)|α|
 
 
Rn
α(ϕ̃ε ∗ ζ) u dLn
=
(-1)|α| [u] (α(ϕ̃ε ∗ ζ) )
=
α [u] (ϕ̃ε ∗ ζ)
=
[fα] (ϕ̃ε ∗ ζ)     nach Vor.
=
ϕ̃ε ∗ ζ·fα dLn
=
 
Ω
ζ·ϕε ∗ fα dLn     wie oben
=
 
Ω
ζ·fαε dLn .
Das gilt für alle Testfunktionen. Damit folgt mit dem Fundamentallemma der Variationsrechnung  ∂α uε = fαε  in  Ω' .

Jetzt wissen wir:  uε = ϕε ∗ u → u  und  ∂α uε = ϕε ∗ fα → fα  gleichmäßig in  clos(Ω')  für  |α| ≦k .

Also ist für jede Nullfolge  (εl)l ∈N  die Folge  (ul)l ∈N  eine CAUCHY-Folge in  Ck(clos(Ω')) .

Daraus folgt mit Satz sect:1-14: Es gibt ein  ũ∈Ck (clos(Ω'))  mit  uεl → ũ  gleichmäßig in  clos(Ω')  und  ∂α uεl → ∂α ũ  gleichmäßig in  Ω  für alle  |α| ≦k .

Damit ist  ũ= u  und  ∂α ũ= fα  in  Ω' .


Version 1.5
H.W. Alt - 02.01.2007

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